Gedanken zur "Volksinitiative" des Jürgen Elsässer

Berlin, den 14. Januar 2009
Im Wirtshaus Max und Moritz in Berlin-Kreuzberg trafen sich am
10. Januar ca. 100 Interessierte zu einem Vortrag von Jürgen
Elsässer.
Im Dezember hatte dieser eine "Volksinitiative"
gegründet. In den vergangenen Jahren war er als Buchautor und
Verfasser interessante Artikel
zu Wirtschaftsfragen und zu den Hintergründen der
Terroranschläge in Europa in der Jungen Welt und im Neuen
Deutschland bekannt geworden.
Vor diesem Hintergrund erschien der folgende Aufruf zur einer
"Volksinitiative" befremdend,
nicht zuletzt auch wegen des Titels und der benutzten
Schlagworte:
"Krisenanalyse der meisten Linken ist
falsch....Angriff des anglo-amerikanischen Finanzkapitals auf
den Rest der Welt..........Bei Abwehr spielt der Nationalstaat
die entscheidende Rolle.........In allen Staaten, auch in
Deutschland, entwickelt sich ein zunehmender Widerspruch
zwischen Industrie- und Bankkapital....Aufbau einer Volksfront,
die das national bzw. "alt-europäisch" orientierte
Industriekapital einschließt.....
Reduktion auf Klassenkampf sektiererischer Unsinn....Abdrängung
der anglo-amerikanischen Finanzaristokratie aus Europa, in der
Perspektive eines eurasischen Bündnisses,"
Am Vortag der Veranstaltung war bereits auf mehreren Webseiten
der NPD angekündigt worden, dass man diese Volksfront überaus
positiv bewerte, ihre Forderungen
grundsätzlich unterstütze und zur Zusammenarbeit bereit sei.
Das war aufgrund der Wortwahl der Ankündigung allerdings kaum
anders zu erwarten.
Dass nach Angaben der TAZ ein Holocaustleugner namens Gerd
Walther sowie ein gutes Dutzend andere Rechte im Publikum
gesessen haben sollen
war allerdings noch erheblich peinlicher.
Elsässer ging gleich zu Anfang seines Vortrags auf die
schriftlich erfolgten Annäherungsversuche der NPD ein und
verwehrte sich massiv dagegen.
Tatsächlich hätte er sich bereits in der Ankündigung für die
Veranstaltung der Volksinitiative eindeutig gegen derartige
Solidaritätsbekundungen verwehren müssen,
indem er nämlich bestimmten Gruppen von Anfang an, nämlich vor
der Veranstaltung ganz konkret die Bündnisfähigkeit
abgesprochen hätte.
Es musste ihm klar sein, dass schon die Wortwahl seiner
Volksfrontidee wie eine Steilvorlage für die Rechten wirken
musste.
Nach seiner Einleitung kam Elsässer zur Analyse der derzeitigen
Finanzkrise, indem er die Mechanismen der internationalen
Finanzderivate und Hedgefonds beschrieb
und die konkreten Umstände, die zu ihrer Entwicklung beigetragen
haben.
Dann schlug er den Bogen zur für ihn überaus bedeutsamen und
zentralen Bedeutung des Nationalstaates. Diesem soll bei der
Abwehr der „Heuschrecken“ die Hauptrolle zukommen.
Wie es zu dieser Strategieänderung des Staates kommen soll
verrät er nicht. Es geht Elsässer darum den
"Nationalstaat" gegen den
"Yankee-Imperialismus" zu verteidigen.
Das angloamerikanische Finanzkapital und seine deutschen Ableger
erdrosseln nach Meinung Elsässers
das national bzw. "alt-europäisch" orientierte
Industriekapital in einer regelrechten Kreditklemme.
Die angestrebte Volksfront Elsässers will mit diesem nationalen
Kapital ein Bündnis eingehen.
Deutsche Arbeiter sollen zusammen mit gefährdeten Unternehmern
Betriebsbesetzungen organisieren.
Elsässers Idee einer Volksgemeinschaft, in der Ausgebeutete und
Ausbeuter angeblich die gleichen Interessen vertreten sollen, ist
irreleitend.
Weshalb sollte das nationale Industriekapital ein Bündnis mit
dieser "Volksinitiative“ eingehen, die keine
Massenbewegung ist? Gemeinsame Betriebsbesetzungen?
Elsässer differenziert nicht beim deutschen Industriekapital.
Will man sich etwa verbünden mit dem außerordentlich
aggressivem Industriekapital
des militärisch industriellen Komplexes, Krauss-Maffei,
Rheinmetall, anderen Waffenschmieden, privaten Sicherheitsfirmen,
mit Konzernen,
die nie irgendeine Verantwortung für ihre Sklavenarbeiterpolitik
in Nazi-Deutschland eingestanden haben?
Das Finanzkapital, welches er gemeinsam mit dem nationalen
Industriekapital bekämpfen will ist zudem eng mit dem ersteren
verzahnt,
auch die gegenseitige Verflechtung der Aufsichtsräte deutscher
Konzerne führt die Trennung von Finanz- und Industriekapital ad
absurdum.
Aktienbesitz an Großkonzernen ist zudem international breit
gestreut und Konzerne haben inzwischen zum Teil eigene Banken
aufgebaut.
Alternative Energiekonzepte sind für Elsässer linke Träume,
zu viele Windräder sind Schwachsinn. "Raus dem linken
Getto, das ist ökologisch völlig versaut".
Warum kein Milliardenpaket, um jedes geeignete Gebäude mit einer
Windenergieanlage auszurüsten?
Eine Anlage, die ausreichend Strom für ein Zweifamilienhaus
liefert, kostet nur 40.000 Euro.(1) (2)
Mit Naturschützern und ökologisch engagierten Gruppen will die
Volksinitiative aber offensichtlich keine Bündnisse eingehen.
Elsässer will Kohlekraftwerke.
"Die moderne deutsche Autoindustrie hat es nicht verdient,
durch US-Heuschrecken ruiniert zu werden" - diese baue gute
und solide Autos.
Aber wo sind die Autos, die 3 Liter und noch weniger verbrauchen?
Die stehen entweder im Werksmuseum oder die fertigen Prototypen
gingen nie in Serie.
Patente wurden systematisch aufgekauft und verschwanden in den
Panzerschränken.
Die Verflechtung der Erdöl-, Energie- und Autoindustrie und die
Systematik mit der alternative Energiekonzepte (Ethanol, Hanf,
u.a.) von den Branchenmonopolen
international verhindert oder verschleppt wurden, um den
höchstmöglichen Ölverbrauch (und Verschmutzung) zu
garantieren- dies wird von Elsässer ignoriert.
Interessant wird es als jemand während der Veranstaltung auf
dem Podium die "LaRouche Bewegung" als Psychosekte
bezeichnet..
Elsässer mildert dies ab und will die Mitglieder der Gruppe
nicht gleich verteufeln.
Dann deutet er an, dass vielleicht ein paar "LaRouche"
Anhänger unter den Besuchern der Veranstaltung sein könnten.
Die LaRouche Gruppe vertrat in den 60er Jahren Positionen von
Marx und Trotzki.
Von einer Deutschlandreise kehrte LaRouche 1978 mit einer
"Messianischen Vision" in die USA zuück. Seither gilt
er bei vielen als Antisemit.
Seine Ehefrau leitet die deutsche RaRouche Partei (BüSo), von
vielen als rechtsextrem eingestuft.
LaRouche sieht die Welt beherrscht durch eine britische
Weltverschwörung. Wichtige Familien des Finanzkapitals üben
ihren Einfluss auf die internationale Politik aus.
Man tritt massiv für den Ausbau der Atomkraft ein und gegen
alternative Energien und Drogen. Könnte LaRouche vielleicht
potentieller Partner für die Volksfront sein?
Elsässer beklagt die Unfähigkeit und Schwäche der Linken in
ganz Europa. Überall zerbröckeln linke Strukturen.
In Deutschland seien die Linken zwar im Parlament, aber sie
enttäuschen mehr als das sie etwas bewegen.
Wimmer, Gauweiler und andere aus den konservativen Reihen sollen
ins Boot geholt werden. Journalisten, wie Peter Scholl Latour.
Im ersten Halbjahr 2009 soll es ein "auf keinen Fall
marxistischer" Kongress in Berlin veranstaltet werden,
danach soll die "Volksfrontbewegung" an Fahrt gewinnen.
Elsässer hat interessante Hintergründe der deutschen
Terrorplots der vergangenen Jahre aufgedeckt, auch zum 11.9.2001
hat er geschrieben.
In der Volksinitiative haben sich mehrere Gruppen und Personen
zusammengefunden, die mit Elsässer zusammenarbeiten wollen, weil
er diese wichtigen Themen anspricht.
Viele sind regelmäßige Leser deutschsprachiger Webseiten, die
sich mit dem Thema 11. September beschäftigen.
Hier gibt es Diskussionsforen, in denen man sich austauschen kann
und wie jetzt bei Jürgen Elsässer wird offen darüber
diskutiert,
ob man weiter in den Kategorien "links" und
"rechts" denken sollte.
Viele vertreten hier die Ansicht, das sei so nicht mehr
zeitgemäß und kontraproduktiv. Man solle offen sein und mit
allen reden.
Angegriffen werde man ohnehin, egal was man sagt. Man spricht von
linken "Gatekeepern", linken Gruppen die verhindern
wollen,
dass die Terroranschläge des 11. September hinterfragt werden.
Da kommen Elsässers Thesen wie gerufen.
Der 11. September hat sensibilisiert. Viele begreifen seither, in
welchem Maße Journalisten nicht mehr in der Lage sind,
bestimmte Dinge innerhalb der Mainstreammedien anzusprechen.
Nur schießt ein Teil dieser alternativen Nachrichtenportale und
Infoseiten im Internet über jedes Ziel hinaus.
Eingebettet in eine Vielzahl sehr plausibel klingender Fakten und
guter Dokumentarfilme ist man hier zugleich mit Theorien zu den
Illuminati, Reichsregierungen,
Klimaschwindel, UFOs und Nazi-Flugscheiben konfrontiert, sogar
Fragen zum Wahrheitsgehalt des Holocaust werden in den Foren
offen diskutiert.
Ernsthafte Themen werden kompromitiert und der Presse wird es
einfach gemacht alles als “Verschwörungstheorien“
abzutun,
schlimmstenfalls „antisemitisch“. Vielen der
Webseitenbetreibern scheint aber alles egal zu sein. Alles muss
jetzt hinterfragt werden. Die Wahrheit muss raus.
Man verfällt einen Sprachstil und Umgangston, der sektiererisch
und unseriös wirken muß.
Gleichzeitig wird ernsthaft von Friedensaktivisten, Linken und
anderen politisch engagierten Gruppen erwartet, sich inmitten
dieser ausuferndern Theorien endlich mal öffentlich zu den
Fragen des 11. Septembers und ähnlichen Themen zu äußern.
Es fällt es schwer, sachliche und seriös recherchierten Inhalte
und Portale zu finden.
Als Konsequenz sehen sich viele derjenigen, die fast schon bereit
waren die Lügen der Medien zu hinterfragen
nach der alten Ordnung des Mainstream zurück und verfallen
wieder in den Reflex: “Verschwörungstheorien“.
Die Losung etlicher Webportale, man solle nicht länger im alten
„Rechts-Links Denken“ verharren,
wirkt in der neuen Personalunion mit Jürgen Elsässer und seinen
Ideen von der Volksfront umso gefährlicher und kann nicht
unwidersprochen bleiben.
Links und rechts sind Orientierungsrichtlinien, die man ebenso
wie bestimmte Regeln in der Finanzwelt nicht einfach ungestraft
außer Kraft setzen darf:
Links bedeutet, herkömmliche, meist als reaktionär oder
konservativ oder rechts verstandene Politik, die auf den Erhalt
der bestehenden konservativen
oder reaktionären Staats- und Gesellschaftsstrukturen
ausgerichtet ist, zu überwinden. Linke wollen eine progressive,
fortschrittlich verstandene Politik
geprägt vom Ideal der Gleichberechtigung aller Menschen
unabhängig von nationalen, ethnischen, und anderen
Gruppenzugehörigkeiten.
Von rechts kamen und kommen dagegen faschistische Ideen und
Systeme, Militärdiktaturen, Angriffskriege, der Naziholocaust,
Terroranschläge unter falscher Flagge
und von rechten Politikern kommt die Idee vom totalem
Überwachungsstaat.
Rechte Organisationen werden benutzt um Sozialproteste wie gegen
die G8 und die Proteste in Griechenland zu beeinflussen und zu
neutralisieren.
Vieles deutet darauf hin, dass die Terroranschläge des 11.
September 2001 von rechten Seilschaften auch aus dem Innern der
USA organisiert und durchgeführt wurden.
Von rechtskonservativen Medienkonzernen werden Gewalt, Dummheit
und Lügen in den Medien verbreitet.
Von rechten, internationalen Strukturen wurde die Rattenlinie,
der Fluchtweg der Nazis organisiert und später deutsche Altnazis
in hohe Regierungsämter,
in die Polizei- und Kriminalbehörden, die Gerichte, das Militär
und in den Verfassungsschutz gehievt. Von hier wird auch die NPD
organisiert und finanziert.
Rechte Erbschaften, Nachlässe und Stiftungen werden jetzt an
eine neue Generation weitergereicht.
International vernetzte rechte Kräfte ziehen im Hintergrund die
Fäden.
Last not least wird von rechts auch versucht die 9/11 Bewegung
zu unterwandern und zu diskreditieren.
Rechtskonservative Kräfte haben ihre Stimmen selten gegen all
dies erhoben. In Zukunft ist das auch kaum zu erwarten.
Abschliessend sei noch darauf hingewiesen, dass die
Videoaufzeichnungen der Elsässer-Veranstaltung durch die
Filmproduktionsfirma Nuoviso erfolgten.Videolink
Auf der Internetplattform von Nuoviso
werden neben Interviews mit Elsässer auch Dokumentarfilme über
UFOs angeboten.
Und selbstverständlich gibt es auch hier wieder viele gute
und seriöse Dokumentarfilme neben einigen fragwürdigen Titeln.
Warum die direkten Verbindungen zu einer Filmproduktionsfirma,
die u.a. das Thema UFOs für so wichtig hält.
Der Autor dieses Artikels ist Verfasser der internationalen Erklärung www.krieg-ist-illegal.de
http://www.911video.de/news/140109/disclaimer.htm
Externe Links zum Artikel
http://www.scharf-links.de/57.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=3571&tx_ttnews[backPid]=3&cHash=1738f8b2bf
http://www.welt.de/politik/article3039995/Linker-Publizist-von-der-NPD-fuer-Volksfront-gelobt.html
http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/?dig=2009%2F01%2F16%2Fa0193&cHash=9023e4e3ac
http://lafontaines-linke.de/2009/01/nd-ohne-elsaesser/
http://www.duckhome.de/tb/archives/4911-Schlaegerueberfall-nach-linker-Veranstaltung.html
http://ef-magazin.de/2009/01/17/894-juergen-elsaesser-querfrontler-verdroschen-und-gefeuert
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/linkspublizist-elsaesser-gruendet-volksfront/
http://de.indymedia.org/2009/01/239316.shtml
http://www.scharf-links.de/40.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=3520&tx_ttnews[backPid]=6&cHash=01424b0b46
http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/?dig=2009%2F01%2F12%2Fa0145&cHash=acca9c4cc5
http://www.tagesspiegel.de/berlin/;art270,2703257
http://die-rote-fahne.eu/headline202.html
http://www.scharf-links.de/46.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=3541&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=2c2d140ace
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/nd-entlaesst-volksfront-gruender/
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13345
http://www.neues-deutschland.de/artikel/142207.in-eigener-sache.html
http://www.benjamin-krueger.net/?p=330
http://ef-magazin.de/2009/01/17/894-juergen-elsaesser-querfrontler-verdroschen-und-gefeuert
rechte Stimmen:
http://www.deutsche-stimme.de/ds/?p=660
http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.154+M5327bb81bd0.0.html
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http://www.npd.net/index.php?sek=0&pfad_id=7&cmsint_id=1&detail=1529
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